Niederlande 2009

Segeln mit kleiner Crew
Das Revier

REVIER: Die Niederlande mit dem Boot zu erleben, das ist die "holländischste" Art zu reisen. Eine Reise, die Abwechslungsreichtum zwischen Naturerlebnis und Kultur verspricht. Ob es nun die großen Städte oder die kleinen abgelegenen Dörfchen sind, nahezu jeder Ort lässt sich auf dem Wasserweg erreichen. Die zahlreichen Kanäle und Flüsse verbinden die großen Seen untereinander, schaffen aber auch eine Verbindung mit dem offenen Meer. So entsteht ein Wasserwegenetz, dass fast die Ausmaße der Landwege übertreffen könnte. Dabei zeigt sich die Niederlande in einer derartigen Vielfalt, dass hier für Groß und Klein, für Jung und Alt, aber auch für die verschiedenen Wassersportarten etwas dabei ist.
Auch den unterschiedlichsten Ansprüchen kann genüge getan werden. Für die ersten Schritte an Bord eines Schiffes eignen sich insbesondere die Binnenseen. Wer schon die ein oder anderen Erfahrungen gemacht hat, oder aber ein größeres Schiff bevorzugt, für den bietet das Ijsselmeer genügend Platz. Aber auch für die Fortgeschrittenen unter uns hält die Niederlande etwas bereit: die Gezeitengewässer. Waddenzee und Nordsee bieten mit Ihren Inseln einen besonderen Reiz und für uns Wassersportler idyllische Etappenziele, die stets eine Reise wert sind.

WIND & WETTER: In den Sommermonaten können Sie mit gutem Wetter rechnen. Wasser- und Lufttemperaturen sind sicherlich nicht mit denen der Mittelmeerregion zu vergleichen. Dennoch ist es aufgrund der Küstennähe überwiegend trocken. Sollte es einmal regnen, so ziehen die Wolken in der Regel schnell weiter. Insbesondere auf den westfriesischen Inseln können Sie somit den Segeltag gemütlich in der Plicht ausklingen lassen. Sommertags vorwiegend schwache bis mäßige Winde aus Südwest oder Nordost.
Im Frühjahr und Herbst können morgendliche Nebelbänke den Blick leicht trüben. Gegen Mittag lichtet sich dieser Schleier aber üblicherweise. Der Wind kann in diesen Tagen durchaus krachtige bis freikrachtige Ausmaße annehmen.

WETTERBERICHTE: Können ganz unterschiedlich empfangen werden. (Zeitangaben = Ortszeit (UTC + 2h))
über diverse Radiosender:
- ... Radio Fryslán (88,6 MHz): 0733, 0833, 1233, 1333, 1733 (nur für die friesischen Gewässer)
- ... Radio Nordholland (93,8 kHz): 0730, 1005, sowie werktags 0838, 1230 und 1705
- ... Omroep-Zeeland (97,8 kHz oder 101,9 kHz): 1015, sowie werktags 0715, 0915, 1215, 1715
- ... und weitere

über UKW-Funk / Marifoon:
- ... Küstenwache (Kanal 23 / 83): 0805, 1305, 1905, 2305
- ... Vlissingen (Kanal 14 / 64): 10 Minuten vor jeder vollen Stunde
- ... Terschelling (Kanal 02): 30 Minuten nach jeder ungeraden Stunde
- ... Schiermonnikoog (Kanal 05): 30 Minuten nach jeder geraden Stunde
- ... Den Helder (Kanal 12): 5 MInuten nach jeder vollen Stunde
- ... Delfzijl (Kanal 66): 10 Minuten nach jeder vollen Stunde
- ... Ijsselmeer (Kanal 01): 15 Minuten nach jeder vollen Stunde

Sturmwarnungen und nautische Warnnachrichten werden durch die Küstenwache auf Kanal 16 und DSC-Kanal 70 angekündigt und im Anschluss auf den UKW-Kanälen 23 und 83 ausgesendet.

NAVIGATION: Im Ijsselmeer und in den Binnengewässern ist der Strom kaum von Bedeutung. Durch Wasserstandsregulierungen kann es aber auch hier gelegentlich zu einzelnen Strömungsverhältnissen kommen. In den Gezeitengewässern ist dem Strom dafür aber erhebliche Aufmerksamkeit zu schenken. Der Strom erreicht hier zum Teil beträchtliche Geschwindigkeiten. Um den Strom perfekt in die Routenplanungen einfließen zu lassen, ist ein Stromatlas nötig. Hier empfehle ich nach langjähriger Erfahrung das Informationswerk "Waterstanden en Stromen HP33".

NOTRUFE:
- ... per Telefon: Landesweit über die regional zuständige Polizeizentrale - Ruf 112
- ... per UKW-Funk: Ijsselmeer via Kanal 16 ; Binnen nur über Kanal 10 ; im Blockkanalgebiet nur über den Blockkanal

VERSORGUNG: Die Versorgungsmöglichkeiten sind in dieser Region mustergültig. Nahezu in jedem Hafen besteht die Möglichkeit Diesel zu bunkern oder 220 V einzuspeisen. Trinkwasser bekommt man tatsächlich jederorts. Auch die Entsorgungsmöglichkeiten für Müll, Sondermüll und Fäkälien sind sehr gut vertreten.
Üblicherweise sind Supermarkets bzw. Winkel fußläufig gut von den Häfen aus erreichbar.

Die Yacht
Jeannau Sun Odyssey 29.2 - " Stacey "
Länge ü.a.: 8,80 m   Ausstattung: - elektr. Sumlog, Echolot
Breite: 2,98 m - GPS , UKW / DSC
Tiefgang: 0,75 - 1,60 m - Kompressor- Kühlsystem
Gewicht: 2,80 t - Radio / CD
Kabinen / Kojen: 2 /4 (+1) - Warmluftheizung
Erstwässerung: 2006 - Sprayhood, Anker, Hubkiel
Motor: Yanmar Innenborder (21 PS) - Pinnensteuerung
Großsegel (gel.) : 18 m² Wasser / Treibstoff: 60 ltr. / 30 ltr.
Rollgenua: 30 m² Ausgangshafen: Sloten (NL)
Die "Stacey" kann, wie viele andere Yachten auch, über mich gechartert werden. Kontaktieren Sie mich einfach!
Die Crew vom 29.Mai bis 05. Juni 2009

Skipper: Torsten Vieting

 

Der Törn

1.Tag Freitag, 29.05.2009
Sloten 52°53.518'N 005°38.854'E -> Sloten 52°53.518'N 005°38.854'E
Wir schreiben das Jahr 2009. Recht spontan kam die Idee auf, neben den weiteren geplanten Segelaktivitäten noch einen einwöchigen Segeltörn in den Niederlanden einzuschieben. Schnell fand sich auch eine Mitseglerin und so ging es relativ kurzfristig am 29. Mai 2009 auf nach Sloten, einem kleinen urigen Dorf in Mitten der friesischen Seen (Friese Meere).

Für ein Pfingstwochenende verläuft die Anreise aus dem Ruhrgebiet sehr gut. Die Autobahnen und auch die Hafenanlagen in Friesland sind recht leer. Sind die Wassersportler in diesem Jahr etwa noch nicht aus dem Winterschlaf erwacht? - Dabei haben wir doch schon Ende Mai!

Uns beiden soll es Recht sein. Um so ruhiger und gemütlicher kann diese Woche für uns werden. Aber warten wir es ab...
Wir haben uns für diese Woche die westfriesischen Inseln zum Ziel gemacht. Texel, Vlieland und Terschelling habe ich schon einige Male besucht und komme immer wieder gerne dorthin. In diesem Jahr möchte ich jedoch auch gerne Ameland ansteuern. Die Jeannau Sun Odyssey 29.2 bietet mit Ihrem Hubkiel und den guten Segeleigenschaften die besten Voraussetzungen für dieses Vorhaben. Und somit freuen wir uns gegen Abend unsere "Stacey" übernehmen zu können.
Noch an diesem Freitag wollen wir Sloten verlassen und schon einige Meilen in Richtung Ijsselmeer gut machen. Geplant ist über das Heegermeer und die Stadt Workum möglichst nah an das Wattenmeer heranzukommen. Doch da die Brücken im Mai nur bis 19 Uhr geöffnet haben, kommen wir vorerst aus Sloten nicht heraus. Wir machen uns somit auf dem Brandmeer ein bischen mit dem Schiff vertraut und spazieren im Anschluss durch das nette Sloten.
2.Tag Samstag, 30.05.2009
Sloten 52°53.518'N 005°38.854'E ->Workum 52°59.003'N 005°27.221'E
Gedanklich schon einen halben Tag im Rückstand, laufen wir am nächsten Morgen zeitig aus. Heute passieren wir erfolgreich die Brücke von Sloten und später auch von dem nicht weit entfernten Örtchen Woudsend.

Von hier aus schlengeln wir uns noch unter Maschine durch den Woudsender Rakken hinaus auf das Heeger Meer. Dort angekommen, können wir endlich Segel setzen und lautlos dahingleiten.

Bis zum Ortseingang von Workum bleiben die Segel stehen und unsere Sun Odyssey "Stacey" zeigt sich von Ihrer besten Seite - der seglerischen.


In Workum selbst werden wir durch die Brückenzeiten zu einer kleinen Mittagspause genötigt. Doch dies ist nicht weiter tragisch. Zum einen ist eine kleine Stärkung sinnvoll, zum anderen haben befreundete Segler ihren Liegeplatz hier. Somit kommen wir bei Kaffee und holländischem Gebäck zusammen und spinnen ein bischen Seemannsgarn.
Doch als wir die Pause beenden wollen, werden wir schnell von der Realität wieder eingeholt. Der Motor sagt keinen Mucks mehr. Dies kann kaum an dem Tri-Data-System liegen, was während der Pause weiter in Betrieb war. Alle weiteren Verbraucher waren schließlich aus. Zur Sicherheit legen wir Landstrom und wagen erneut einen Startversuch. - Vergebens! Systematisch gehen wir alle weiteren Fehlerquellen durch. - Ohne Erfolg!
Uns bleibt keine andere Wahl. Wir kontaktieren den Vercharterer, der nur wenig später an Bord kommt. Doch auch er ist ratlos und bittet seinen Monteur zur Hilfe. Pfingstsamstag... Nachmittag... Das kann dauern.
Und so verholen wir nach Rücksprache mit dem sehr freundlichen Hafenmeister in die letzte freie Box. Eine 13 Meter Box für unsere kleine 8,80m lange Stacey. Nur gut, dass es lange Zwischenstege gibt, denn soooo lang wären unsere Leinen nicht gewesen. Verholen ist auch leicht gesagt. Im Hafen bei Windstärke Bft. 4-5 und Motorschaden. Doch mit Hilfe der benachbarten Segler und diverser Leinen ging auch dies reibungslos. Danke noch einmal an Euch, liebe Helfer!

Und so warten wir geduldig auf den Monteur. Doch damit die Zeit nicht ganz vertan ist, nutzen wir die Gelegenheit und feuern den Grill an. So hat ein Motorschaden auch sein Gutes. Zwischenzeitlich steigen Rauchschwaden aus dem Schiffsinneren auf. Doch kein Grund zur Unruhe. Der Mechaniker ist an Bord und hat alles unter Kontrolle. Nachdem wir mit dem Essen fertig sind, ist auch er mit seiner Arbeit fertig. Ein Kabelbrand hatte die Motorelektrik samt Anlasser zerstört. Aufgrund des Feiertages und fehlender Ersatzteile lässt sich die Maschine nur behelfsmäßig reparieren und wir streichen unsere Pläne der westfriesischen Inseln. Wie sich später herausstellen soll, aufgrund der Wetterlage vielleicht genau richtig.
3.Tag Sonntag, 31.05.2009
Workum 52°59.003'N 005°27.221'E ->Makkum 53°03.208'N 005°23.190'E
Noch leicht niedergeschlagen, dass wir unseren Traum, Ameland anzusteuern, aufgeben mussten, beginnen wir am Sonntagmorgen neue Pläne für die kommenden Segeltage zu schmieden. Die Sonne, ein wolkenloser Himmel, mollige Temperaturen und auch der mäßige bis krachtige Wind muntern uns schnell wieder auf. Hat dies alles nicht auch sein Gutes? - Unser Tagesablauf wird nun nicht von den Gezeiten bestimmt. Wir können einfach in den Tag hineinleben - Erholung pur.
Gesagt, Getan. Wenn wir schon einen Zwangsstopp in Workum einlegen, dann wollen wir auch etwas von dieser Stadt sehen. Ein Gang durch die kleinen Gassen bis hin zum historischen Marktplatz mit seinen gepflegten alten Gebäuden ringsum lohnt sich.

Zurück an Bord, laufen wir gegen Mittag aus. Erneut geht es durch den Ort, aber diesmal bequem per Schiff. Hindurch durch die drei Brücken und die Schleuse hinaus auf das Ijsselmeer - endlich!
Ein toller Anblick: Blauer Himmel, weite Sicht, bewegtes Wasser und ein Meer von Segeln. Und wir nun auch mitten drin. Als Ziel haben wir uns für heute Makkum gesteckt. Dazu bedarf es keiner großartigen Kartennavigation. Der Kurs in Richtung Kornwerderzand und damit auch in Richtung Makkum wird gerade durch eine Linie weißer Segel markiert. Somit ändern wir an der Ansteuerungstonne Workum-Hindeloopen unseren Kurs und folgen der voraussegelnden Masse. Unsere kleine Sun Odyssey 29.2 liegt trotz der eingebundenen Reffs und häufigen Windböen gut auf dem Ruder und wir können erstaunlich gut mit den Großen mithalten. Ein solcher Tag lässt den erlebten Motorschaden schnell vergessen.

So laufen wir am späten Nachmittag in die Marina Makkum ein. Nur gut, dass viele Schiffe Kurs auf das Wattenmeer genommen haben, so wird es im Hafen nicht all zu voll.

Das Wetter im Wonnemonat Mai lässt uns sogar in den Niederlanden schon das Sonnendeck genießen und bietet uns darüberhinaus einen traumhaften Sonnenuntergang. - Könnte ein Segeltag schöner enden?
4.Tag Montag, 01.06.2009
Makkum 53°03.208'N 005°23.190'E ->Den Oever 52°55.441'N 005°02.734'E
Montag früh verlassen wir die Marina Makkum, die übrigens auch, oder gerade für Familien mit Kindern eine gute Adresse ist. Im Zentrum der Hafenanlage gibt es einige Spielgeräte und auch der Sandstrand am Ijsselmeerufer lädt zum buddeln ein. Dies soll nun nicht heißen, dass an den Stegen durch spielende Kinder Unruhe entsteht. Keineswegs! Schließlich konnten auch wir einen ruhigen, sonnigen und erholsamen Abend in unserer kleinen Box verbringen. Doch nun lockt uns der krachtige Wind wieder hinaus. Bereits in der Hafenausfahrt heißt es "Segel setzen". Mit gerefftem Groß und voller Genua geht es mit raumendem Wind zurück auf das Ijsselmeer. Längs des Abschlussdeiches baut sich bei diesem Nordostwind recht wenig Schwell auf. Eine angenehme Überfahrt mit wenig Arbeit an den Segeln. Doch aufgepasst: An der Westseite des Ijsselmeeres befindet sich auf der Höhe "Den Oever" ein Fischereigebiet und auch einige Untiefen. Sicherheitshalber sollte man also lieber einen kleinen Umweg gen Süden in Kauf nehmen und dieses Gebiet umfahren. Gekennzeichnet ist dieser Bereich durch kleine, rot-weiße Spierentonnen.
Nach einiger Zeit erreichen auch wir diesen Deichabschnitt. Bei diesen Sichtverhältnissen können wir sehr gut das Denkmal "De Vlieter" erkennen. Es erinnert an die Vollendung des Dammes im Mai 1932. Von beiden Seiten hatte man den Deich aufgebaut und stieß dann auf der Höhe des heutigen Denkmals zusammen, wo sozusagen durch schließen des letzten Loches erst das Ijsselmeer entstand. Eine stramme Leistung!
Unsere Anstrengung war in seglerischer Hinsicht heute sicher deutlich geringer. Nach einer Halse südlich der Untiefen folgen wir nun dem Fahrwasser Richtung Den Oever. Unsere Sun Odyssey 29.2 zeigt noch einmal, was in ihr steckt. Trotz der eingebundenen Reffs gelingt es uns ordentlich Fahrt zu machen. Wir können sogar mit großen Yachten mithalten. Und da heißt es immer "Länge läuft". - Stolz und zufrieden laufen wir wenig später in den gemütlichen Hafen von Den Oever ein.
Wenn wir das Wattenmeer, bzw. die niederländisch genannte Waddenzee schon nicht besegeln können, so wollen wir wenigstens einen Blick über den Deich werfen. Beim Hafenmeister lassen sich Fahrräder ausleihen. Doch da der Tag noch jung ist, wollen wir uns lieber etwas die Beine vertreten. Gerüstet mit Fernglas und Digitalkamera ziehen wir los. Zunächst folgen wir dem Fußweg entlang der Bucht, bevor wir dann durch das Zentrum von Den Oever und den Fischereihafen schlendern. Schon haben wir den Deich erreicht und das Wattenmeer liegt vor uns.
Bei diesem wolkenlosen Himmel und dem freikrachtigen Wind haben wir von der Spitze des Deiches eine perfekte Sicht. Selbst mit dem bloßen Auge können wir Texel und Vlieland deutlich erkennen. Immerhin zwei der westfriesischen Inseln. Auch imposant anzusehen sind die Strömungen längs der Priele. Ganz neue Eindrücke. Schließlich kennen wir diese Situation bislang so nah nur aus den eigenen Erfahrungen mit den Tiedengewässern zu Schiff.
Noch eine ganze Weile blicken wir in die Ferne, träumen vor uns hin und lassen uns einfach nur den Wind um die Nase wehen. Dann spazieren wir langsam wieder zurück. Zurück zur Marina Den Oever, wo unsere kleine Stacey auf uns wartet.
5.Tag Dienstag, 02.06.2009
Den Oever 52°55.441'N 005°02.734'E -> Stavoren 52°52.552'N 005°21.833'E
Schon ist es Dienstag. Zeitlich gesehen befinden wir uns am Wendepunkt unseres einwöchigen Segeltörns durch die niederländischen Gewässer. Doch noch haben wir ein paar Tage vor uns. Mittlerweile hat sich bei uns beiden der Tagesablauf an Bord fest eingespielt. Noch vor dem Frühstück lauschen wir dem Wetterbericht am Funkgerät und werten die erhaltenen Daten aus. Eine wichtige Prozedur auf jedem Schiff. Für heute erwartet uns ein Wind mit 5-6 Bft aus Nord. In den kommenden Tagen Zunahme möglich, insbesondere wird vor heftigen Schauer- und Gewitterböen gewarnt.
Wir sind uns einig, dass es doch gar nicht so schlecht ist, dass uns die Motorprobleme nicht haben auf das Wattenmeer fahren lassen. Aufgrund der Wetteraussichten und -lage beschließen wir, uns schon wieder auf die Ostseite des Ijsselmeeres zu begeben. Von dort haben wir in den kommenden Tagen einfach mehr Möglichkeiten, je nach Veränderung des Wetters. Also "Leinen los" und mit gerefften Segeln geht es dahin.
Trotz des rauen Seegangs im IJsselmeer mit der kurzen Welle macht sich unsere kleine Sun Odyssey richtig gut. Die Überfahrt nach Stavoren (Stavré) macht nicht nur großen Spaß, sondern ist auch noch schnell zurückgelegt. Gegen Mittag haben wir die Mole der Marina Stavoren Buitenhavn bereits querab.
Die 29.2 lässt sich zu zweit so gut händeln, dass wir nahezu alle Manöver unter Segeln fahren. Also nehmen wir das Tuch auch erst im Vorhafen wieder runter. Die Distanz von Den Oever hierher haben wir deutlich schneller ersegelt als wir dachten. Somit nutzen wir die Chance und fahren im Vorhafenbecken noch einige Manöver. Wann hat man schon einmal die Chance für ein Starkwindtraining und dazu noch mit kleiner Crew. - Lernen und Erfahrungen sammeln ist immer gut!

Den späteren Abend lassen wir dann am Grill mit Sonnenuntergang und darauf- folgendem sternenklaren Himmel ausklingen. Ein gelungener Tag am Meer.
6.Tag Mittwoch, 03.06.2009
Stavoren 52°52.552'N 005°21.833'E -> Galamadammen 52°53.953'N 005°27.676'E
Sollte der Wetterbericht etwas voreilig geurteilt haben? Heute morgen sieht es doch gar nicht so schlimm aus. Wind und Welle sind unverändert. Nach einigem Hin und Her entscheiden wir uns dann doch wieder auf das Ijsselmeer auszulaufen. Doch diese Entscheidung sollte nicht von langer Dauer bleiben. Bereits eine gute halbe Stunde später zieht vom Wattenmeer aus eine dicke, tiefdunkle Wolkenwand auf uns zu. Und dies dazu noch sehr schnell. Unsererseits folgt daraufhin die wohl schnellste Wende dieser Segelwoche. Unversehens nehmen wir Kurs Stavoren. Erneut fallen die Segel im Vorhafen. Doch nun laufen wir nicht in die Marina Stavoren ein, sondern steuern geradewegs durch die Schleuse hinein in das Binnenland. Immer wieder eine gute Option bei schlechtem bzw. stürmischem Wetter. Denn trotz Kanälen kann man hier durchaus noch segeln. Und genau dies machen wir. Mal abgesehen von der Brücke in Warns gibt es auf dem ganzen Weg bis zum Princess-Margriet-Kanal keine Brücken mehr. Sie wurden in den vergangenen Jahren Stück für Stück gegen Aquadukte ausgetauscht.

Doch ganz so weit wollen wir zunächst nicht segeln. Unser Ziel ist das Heeger Meer und Flüssen. Ein Teil der schönen Friesischen Seen (Friese Meere). ...

Trotz des Binnenlandes herrscht hier verhältnismäßig viel Welle und Wind bis 7 Bft. Nur unter stark gerefftem Großsegel gleiten wir schon fast dahin.
Zeit das Material zu schonen. Also nutzen wir eine der drei kleinen Inseln für eine Pause. Im Innern der "Alije Kruzpolle" liegen wir ruhig wie in Abrahams Schoß.
Nach Durchzug der Schauerfront laufen wir aus und segeln unter Reff noch das Heegermeer auf und ab, bevor wir dann nach Galamadammen ablaufen. Dort laufen wir in den dortigen Hafen des Hotels ein. Leicht verfroren durch den eisigen Wind machen wir es uns unter Deck warm und gemütlich.
7.Tag Donnerstag, 04.06.2009
Galamadammen 52°53.953'N 005°27.676'E -> Sloten 52°53.518'N 005°38.854'E
Mit leicht gemischten Gefühlen verlassen wir die Hafenanlage in Galamadammen. Auf der einen Seite freuen wir uns auf den heutigen Segeltag, auf der anderen Seite sind wir aber auch etwas traurig, dass es der letzte Tag unserer einwöchigen Segelreise durch die Niederlande ist. Ein Grund mehr es noch einmal richtig zu genießen. Und so setzen wir noch in der Hafenausfahrt die Segel. Wie nicht anders zu erwarten, auch heute wieder gerefft. Den Weg zum Heegermeer kennen wir ja bereits vom Vortag. Damit bleibt die navigatorische Arbeit sehr gering.
Es geht vorbei an der ersten und auch an der zweiten Insel inmitten dieses Binnensees. Auf Höhe der dritten Insel, der sogenannten "Rakkepoele" befindet sich nördlich die Ortschaft Heeg. Mir von etlichen Jollentouren bereits gut bekannt. Hier legen wir einen kurzen Tankstopp ein, bevor wir direkt vor dem Pannekoekenhuis anlegen. Doch Vorsicht. Der Stichkanal zum Ortszentrum ist relativ flach. Auch wir müssen bei unserer Sun Odyssey den Kiel aufholen. Nur gut, dass wir einen Hubkiel haben. Andernfalls bleibt aber auch noch die Marina für Yachten mit bis zu zwei Metern Tiefgang. In das Ortszentrum läuft man dann auch nur wenige Minuten. Ein Besuch im Pfannkuchenhaus ist lohnenswert!
Nach unserer Pause toben wir uns noch eine Weile auf dem Heegermeer aus. Im Anschluss folgen wir dem Jeltesloot bis zum Princess-Margriet-Kanal. Dieser stellt einen Teil der "Stehende-Mast-Route" dar. Diese ermöglicht die Durchfahrt mit stehendem Mast von Delfzijl bis nach Lemmer bzw. noch weiter bis nach Ijmuiden. Doch so weit wollen wir gar nicht. Wir verlassen den Kanal direkt hinter der Brücke bei Spannenburg wieder und laufen über das Brandmeer direkt den Heimathafen der Stacey in Sloten an.
Unsere Segelwoche in den Niederlanden geht allmählich zu Ende. Eine Woche, die durch einen Kabelbrand am Motor anders verlief als ursprünglich geplant. Dennoch absolut erfolgreich und erholsam. Viele Sonnenstunden, nur einen Regenschauer, angenehm warme Temperaturen und stets mäßigen bis starken Wind. Kurzum ein gelungener Segeltörn!

Ein Segeltörn mit kleiner Crew. Wir waren zu Zweit an Bord einer Sun Odyssey 29.2. Ein ideales Schiff für eine zwei- bis vierköpfige Crew. Hervorragende Segeleigenschaften und ein ausreichend dimensionierter Innenborder zeichnen dieses Schiff aus. Der Hubkiel gepaart mit der Doppelruderanlage machen nicht nur das Segeln in Flachwassergebieten möglich, sondern auch das Trockenfallen in Tiedengewässern. Die Anordnung der Fallen und Schoten ermöglichen zusammen mit der Pinnensteuerung sogar das Einhand-Segeln mit diesem Schiff. Für uns zwei war die "Stacey" also sehr gut händelbar. - Probieren Sie es selbst!

Tot ziens

 

... weitere Törnberichte ...

... individuelle Charteranfrage ...